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Wie ich lesen und schreiben mag

Am liebsten schreibe ich in meinem Lieblingssessel. Das ist ein Ohrenbackensessel, den jemand auf den Sperrmüll gestellt hatte, obwohl so gut wie nichts daran zu mäkeln gab. Klar, dass dieser Sessel schnurstracks in meinen Besitz übergegangen ist. Ich habe ihn sogar selbst nach Hause getragen und drei Etagen die Treppe hinauf. Ich habe ihm eine rote Wolldecke übergezogen, weil blau irgendwie nicht so meine Farbe ist und der Bezugsstoff sich sonst rau und kühl anfühlen würde.

Wenn ich zum Schreiben auf meinem Sessel sitze, mit meinem Netbook auf dem Kniekissen, dann lege ich die Waden auf einen Uralthocker, dem Design nach stammt er aus den 50ziger oder 60iger Jahren. Der Hocker ist innen hohl, und seit ewigen Zeit bewahre ich darin meine Blechdosen mit meinen vielen Farben Stickgarn auf. Das Kissen, das auf dem Hocker liegt, ist auch uralt (den Bezug hab ich Anfang der 90iger Jahre selbst genäht und mit einem Kreutzstichmäuschen bestickt).

Mein Lieblingssessel und sein Zubehör haben schon so einige Umzüge mitgemacht. Zuletzt vor ein paar Monaten von unten aus der Stube, nach oben in mein Lonizimmer. Das Lonizimmer bekam ich im Haus meines Freundes übrigens als allererstes. Damals wohnte ich noch ganz woanders. Und als das neue Lonizimmer randvoll war mit meinen Büchern, Malsachen, Nähsachen, Wolle und sonstigen Schätzen, stellten wir beide überglücklich und schmunzelnd fest: Huch, ich bin ja schon eingezogen! 🙂

Mein Lonisessel steht nun also in meinem Zimmer. Seit ich nämlich jetzt oft in mein Zimmer zum Arbeiten gehe, brauchte ich ihn dort. Man muss ja auch mal zur Ruhe kommen, zum Träumen und zum Denken. Und das kann ich schreibenderweise eben am besten, ich schreibe gern auch handschriftlich meine Morgenseiten und seitenweise Notizen in meine vielen Ringbücher, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. In meinem Sessel habe ich es gemütlich und bequem und still.

Nicht so gemütlich ist es, wenn ich an meinem großen PC schreibe, da muss ich aufrecht sitzen und den Rücken selber tragen. Aber tatsächlich sitze ich in letzter Zeit öfter am großen PC, weil ich meine Fotos in Photoshop bearbeite für meine Website. Zu den Fotos brauche ich dann also gleich den Text dazu, so wie in diesem Moment. Und wenn ich hier schon mal sitze, dann tippe ich hier auch.

Ich darf nicht zu lange am PC sitzen. Ich brauche viel Bewegung um meine Wirbelblockaden und Muskelverspannungen immer wieder zu lösen. Schon allein deswegen dauert es so seine Zeit, bis ich mal ein Projekt beenden kann. Es muss außerdem still sein, um mich herum, wenn ich schreibe. Das ist wichtig. Ich brauche keine Schokolade, keinen Tee und keinen Wein. Höchstens mal ein Wasser und einen Kaffee zum Wachwerden. Allerdings vergesse ich den beim Schreiben auch schnell wieder und er wird oft kalt, noch bevor ich den halben Becher leer habe.

Ich lese zwar täglich und ständig irgendwas, aber ich schaffe nicht viele Bücher von vorne bis hinten durchzulesen. Am besten geht das noch um die Weihnachtszeit, erstens, weil es dann schon nachmittags dunkel wird und ich deswegen nicht mehr draußen bin und andererseits, weil ich – aus irgendeinem komischen Grund, der mir nicht bekannt ist – es liebe, Winterromane zu lesen. Und das geht im Sommer eben nicht so schön. Am liebsten würde ich im Bett lesen, aber davon bekomme ich oft arge Nackenverspannung mit Kopfschmerzen am nächsten Tag. Also lasse ich es lieber und begnüge mich mit dem Sofa und begnüge mich vor allem damit, nicht zu lange Zeit am Stück zu lesen. In meinem Lieblingssessel lese ich komischerweise nur, was ich selber geschrieben habe, nämlich wenn ich meine Texte überarbeite. Es kam bisher nicht vor, dass ich mich mit einem Roman nach oben in mein Zimmer verzogen habe. Es liegt einfach daran, dass ich zum Romanlesen, wenn überhaupt, nur abends Zeit habe. Und da bin ich lieber mit meinem Herzensmann zusammen auf dem kuscheligen Sofa, als alleine oben im Zimmer.

Veröffentlicht in Über mich

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