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Lonis glückliche Hühner

Lonis glückliche Hühner

Ja, so „wohnen“ meine Hühner im Spätsommer. Schön grün, rundherum alles.

Jetzt im Winter ist es allerdings überall ziemlich kahl. Und im Gehege schon mal erst recht. Deshalb dürfen meine Hühner jeden Tag ein paar Stunden in den großen Garten. Wer seine Blumen mehr liebt als seine Hühner, dem kann ich das allerdings nicht uneingeschränkt empfehlen. Es ist schon erstaunlich, was die süßen Viecher mit ihren Krallen wegscharren können. Meine Beete sind jedenfalls picobello vom Unkraut befreit – von so ziemlich allem anderen allerdings auch. Na gut. Es ist Winter. Im Frühling pflanze ich dann neu an und überlege, ob ich Verbotsschilder für die Hühnis aufstelle. Piktogramme lesen ist ja nicht so schwer, das verstehen sie bestimmt 😉

Nun gut. Ich wollte sie dir vorstellen, meine Hühner. Sieben sind es zur Zeit, aber im März werde ich nochmal unsere Brutmaschine in Betrieb nehmen. Dann gibts bald neue Küken. Klar, dass ich davon berichten werde.

ROSALIE

Rosalie 5 Monate alt.
Rosalie Maran kupferfarbig

Rosalie ist von fünf geschlüpften Maranküken die einzige Henne. Unser einziges schwarzes Huhn. Wir wissen nun nicht, ob alle Maranhennen so sind wie Rosalie, aber für uns ist sie doch ein besonderes Huhn. Sie ist von allen die Furchtloseste, die, die gern mal über den Zaun in Nachbars Garten entwischt, während alle anderen brav im Gehege bleiben und ratlos hinterherschauen. Rosalie ist sowieso sehr sportlich. Wenn sie morgens aus dem Stall kommt macht sie gern ein paar Flugsprünge. Sie hopst so hoch sie kann und flattert dann ein paar Meter weit, bis die Schwerkraft sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Und sie mag rennen. Wir nennen sie unsere kleine Propellermaschine. Wenn sie rennt, nimmt sie eine gestreckte, beinahe waagerechte windschnittige Haltung an, Schnabel nach vorn ausgestreckt und peest los, als hätte sie einen Propellerantrieb am Achtersten. Klar, dass es zum Rennen einen Lieblingsgrund gibt, nämlich wenn ich „Tucki Tucki“ rufe, mit einem Blechteller voll Möhrchenraspeln in der Hand. Rosalie ist immer die Erste, wenn es ums Naschen geht.
Aber dass sie nicht das Oberhuhn ist, das musste sie lernen. Denn als Rosalie einmal mit beiden Füßen in den Möhrchenteller sprang, um ihn für sich allein zu beanspruchen, zeigte Brunella ihr, wer die wahre Chefin der Bande ist.
Unsere schwarze Rosalie, eine echte schwarzkupfer Maran, ist von allen Sieben die zutraulichste. Sie lässt sich gern über den Rücken streicheln, sie frisst jedem aus der Hand und man kann sie einfach auf den Arm nehmen. Wenn ich sie mit ihrem Namen anspreche, reagiert sie darauf. Ein tolles Huhn. Sie legt wunderschöne rotbraune Eier. Und ihre Federn schillern edel smaragdgrün, wenn das Licht im richtigen Winkel darauf scheint. Ich habe eine Bilderbuchgeschichte erfunden, in der Rosalie eine Rolle abbekommen hat. Ich hoffe, dass es nicht so ewig dauert, bis ich die Geschichte illustrieren werde.

 

ELSA

Ihrem wachsamen Blick entgeht kein einziges Leckerchen
Elsa, Legehybride im Gnadenbrot

Die Elsa haben wir nicht selbst ausgebrütet. Sie hat ihren Altenteil hierher zu uns verlegt. Sie ist das übrig gebliebene von drei Hühnern, die auf dem Hof meiner Mutter lebten. Elsa ist eine normale Legehybride, wie man sie hier und dort am Markttag als Junghuhn für´n Appel und´n Ei kaufen kann. Sie ist kein Rassehuhn, so wie unseren anderen. Sie wurde auf Legeleistung gezüchtet, nicht auf Schönheit. Ihr Federkleid ist eher funktionell. Ihre Federn sind rauh und am Ende aufgefasert und sie glänzen nicht so schön wie die Federn unserer Rassehühner. Elsa ist mit Abstand die kleinste und älteste Henne in der Gruppe, dafür aber gesund und kernig. Sie kam im November neu in die Gruppe und wurde, noch im Transportkorb, von allen anderen Hühnern neugierig beäugt. Ich hab das damals auf Video aufgenommen. Vielleicht gibts also mal irgendwann einen kleinen Einblick in Elsas Ankunft. Besonders die jungen Hähne fanden die kecke Dame interessant. Als wir Elsa frei ließen wurde sie noch ein paar Minuten von unseren drei braunen Hühnchen begleitet und ansonsten sofort in die damals noch größere Gruppe Junghühner und Junghähnchen aufgenommen. Elsa hat zwar bisher nur ein einziges Ei gelegt, besetzt aber dennoch einen der vorderen Ränge in der Hackordnung und kommt in Punkto Verfressenheit gleich nach Rosalie. Wenn unsere braunen und weißen Hühner sich einzelne Möhrchenschnitzel aus dem Angebot herauspicken, dann schnappt Elsa sich gleich den ganzen Schnabel voll. Schnapp, schnapp, schnapp, in einer Geschwindigkeit, dass die anderen zusehen müssen, dass sie auch noch was abbekommen. Zum Glück kenne ich meine Pappenheimer und verteile die leckeren Möhrchenraspeln auf mehrere Plätze, so dass letztlich alle genug abbekommen.

 

FIODORA

Fiodora, die zarteste Versuchung, seit es Hühner gibt.
Fio ist ein Sundheimer Rassehuhn.

Mein süßes weißes Hühnchen, die Fio, ist die kleinste von den Rassehühnern. Selbst neben Mathilda, die ebenfalls ein Sundheimer Huhn ist, wirkt Fiodora zart und schlank. Ob es daran liegt, dass sie noch im Ei lag und nicht die Kraft hatte allein herauszukommen, als die fitten Maranhähnchen schon fast zwei Tage alt waren, weiß ich nicht. Ich weiß aber noch, dass ich damals das angepickte Ei mit Sorge betrachtete und hin- und hergerissen war, ob ich nun helfen sollte oder nicht. Alle anderen waren schon geschlüpft und so beschloss ich letztlich, dass es sein musste. Das Loch in der Schale habe ich zunächst ein wenig erweitert, aber da sich danach immer noch nichts tat, habe ich Stunden später doch noch etwas mehr nachgeholfen. Fiodora war wirklich ein schwaches Küken. Alleine hätte sie es nicht geschafft. Als die Fio aber erstmal auf der Welt und trocken war, hat sie sich gut erholt. Sie ist genau so fit und munter wie die anderen, nur eben ein wenig zierlicher.
Fiodora weiß genau zu wem sie gehört. Fio und Mathilda sind immer zusammen unterwegs. Sie sondern sich beim gründlichen Scharren auch mal gänzlich von der Gruppe ab und haben es überhaupt nicht eilig, wenn ich sie rufe. Irgendwann kommen sie dann aber doch angerannt. Aber selbst ihr Rennen wirkt behäbiger und gelassener. Sie sind beide von der Rasse her viel ruhiger als die anderen Hühner. Mit ruhiger meine ich unauffälliger. Klar, sie „sprechen“ auch auf die typische Hühnerart, aber immer so ähnlich wie ein Bauchredner es tun würde. Man sieht ihnen nicht an, dass sie es waren, die gerade eine ganze Reihe von Tönen von sich gegeben haben. Die beiden possierlichen Damen wirken bescheiden, schon von Anfang an. Sie drängeln sich am Futterpott niemals vor und sorgen aber doch auf ihre leise Art dafür, dass auch sie genug abbekommen. Sie legen cremefarbene glatte Eier und haben ein wunderschönes seidiges Gefieder.
Fiodora und Mathilda sind sich vom Wesen her so ähnlich wie Zwillinge, deshalb erzähle ich hier in Fiodoras Text eben auch von Mathilda mit, was bei beiden gleich ist. Von Mathilda gibts aber doch noch etwas besonderes zu berichten.

MATHILDA

Meine süße Mathilda, sie, die pummelige Schwester zu Fiodora, lebt nicht mehr. Nun haben wir sogar hier im Flachland schon seit fast zwei Wochen Frost und somit hungrige Wildtiere in der Nähe. Ich weiß nicht, welches Raubtier den Mut hatte sich zwanzig Schritte von unserer Haustür entfernt unter der Buchenhecke auf die Lauer zu legen. Am hellichten Nachmittag hat der Räuber unsere Mathilda erwischt. Als ich sie fand, war sie  tot. Sie sah friedlich aus. Ich vermute ein Biss ins Genick hat ihr ein schnelles Ende bereitet. Angefressen waren nur die Oberschenkel, dann muss der Räuber wohl gestört worden sein. Mitnehmen konnte er Mathilda nicht, da mitten durch die Buchenhecke ein Schafszaun geht. Ja. So ist das. Nun habe ich nur noch sechs glückliche Hühner.
Meine Mathilda mochte ich so gerne, weil wir beide ein schönes kleines Ritual hatten. Jeden Morgen, wenn ich in den Hühnerstall kam, saß Mathilda noch auf der Stange. Da ich nun aber die Hühnerklappe aufmachte und alle hinaus strömten, wollte Mathilda natürlich auch mit hinaus. Ihr Problem war nur, dass ihr der Sprung von der Stange großes Unbehagen bescherte und der kleine Umweg über die eigens für sie als Treppenstufe hingestellte Kiste keine Option für sie war. Und so begannen wir unser Ritual. Jeden Morgen legte ich ihr meine Hände unter die Brust, sicher um die Oberschenkel herum und hielt sie fest, während sie darüber ihre Flügel ausbreitete um das Gleichgewicht zu halten. Dann habe ich sie ganz sanft angehoben und langsam und sicher hinunter getragen, bis sie wieder festen Boden unter den Krallen hatte. Nachdem wir ein paarmal geübt hatten, hat sie immer ganz still gehalten. Sie hatte keine Angst. Du kannst dir nicht vorstellen, wie wunderbar weich ihr Gefieder war, wie schön das Gefühl für mich war, dass sie mir vertraute und zuließ, dass ich ihr von der Stange hinunter half. Sie war eine ganz besondere Henne, meine Mathilda.

Von den anderen beiden Hühnern

  • BRUNELLA und
  • DOLORES

berichte ich die nächsten Male an dieser Stelle. Schau also gern wieder einmal herein.

Veröffentlicht in Landleben meine Hühner

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